Trailer – Die Kettenfilme

 
 

Kredit kommt vom lateinischen Wort credere und bedeutet soviel wie: glauben, anvertrauen, Vertrauen schenken.

Kredit ist ein Menschenrecht.
Muhammad Yunus, Gründer der Grameen Bank und Träger des Friedensnobelpreises 2006

 

KREDIT #1-7 // kettenfilme // arbeiten für andere

ist ein partizipatives Videoprojekt zwischen Kunst und Ökonomie, initiiert von Johannes Burr. Seit 2006 wechselte der Künstler von Zeit zu Zeit die Seite und schlüpfte immer wieder an neuen Orten in die Rolle eines Bankers. Als mobile Kreditbank zog er durch die Lande und vergab an interessierte Menschen einen Koffer mit der Aufschrift „KREDIT“. Darin befinden sich u.a. eine Videokamera, Videokassetten und Vertragsvordrucke.

Jeder Kreditnehmer verpflichtete sich vertraglich, nach spätestens sieben Tagen den Koffer einer neuen Person seiner Wahl übergeben zu haben und zusammen mit ihr einen Film zu drehen. Vier Aufgaben waren dabei zu lösen. So zirkulierte der Koffer durch die Welt und bei jedem Umlauf durch die Hände von sieben Personen. In freier Interaktion und Kollaboration der Teilnehmer entstand dabei jeweils ein Kettenfilm.

KREDIT#1 Kettenfilm Berlin 2006
KREDIT #1 // Kettenfilm // Berlin 2006

Nach sieben Personen und ungefähr sieben Wochen pro Zirkulation kam der Koffer jeweils voller Zinsen an Filmmaterial wieder zurück zur Bank. Der Mehrwert, der sich dadurch ergab, sind jedoch nicht nur die Videoaufnahmen, die zu den sieben Kettenfilmen zusammen geschnitten wurden, sondern die sozialen Interaktionen, die sonst nicht stattgefunden hätten.

Meist schloss die Kreditzirkulation mit einem gemeinsamen Essen der Teilnehmer ab. Und der Kettenfilm wurde am Ort seiner Entstehung als Videoinstallation in einer Ausstellung gezeigt.

Das Projekt war von Anfang an auf insgesamt sieben Kreditzirkulationen und damit sieben Kettenfilme angelegt. Diese entstanden im Zeitraum von 2006 bis 2012 auf Einladung und in Kooperation mit: KUNSTHALLE BASEL (CH), ARTTRANSPONDER Berlin (D), KÜNSTLERDORF SCHÖPPINGEN (D), MUSEU DA UFPA, Belém do Pará (BR), Zentrum für Gegenwartskunst KRONIKA Bytom (PL) sowie NEXTEX St. Gallen (CH).

Zum Abschluss des gesamten Kettenfilmprojekts erscheint Anfang 2015 eine Publikation.

KREDIT #2 // kettenfilme und andere kooperationen // Rosenthaler Vorstadt Berlin 2007
KREDIT #2 // Zeichnung: auf der Suche nach dem neuen Kreditnehmer // Rosenthaler Vorstadt, Berlin 2007

Projektidee und Kontext

KREDIT #1-7 geht von zwei Tatsachen aus. Zum einen, dass jeder Mensch in der einen oder anderen Form Kredit – mithin Vertrauen – braucht, um seine verschiedenen Fähigkeiten realisieren zu können. Und zum anderen, dass Zusammenarbeit und Kooperation nicht nur die Erfahrungen jedes einzelnen Teilnehmers bereichern, sondern dass sie als zentrale Prinzipien einer immer stärker vernetzten Gesellschaft eine Neudefinition von Autorenschaft, von persönlichem und gesellschaftlichem Profit, von Vertrauen und damit von Geld provozieren.

Diesen Fragen geht KREDIT #1-7 nach. Zugleich ist das Projekt auch ein Versuch, die Bedingungen, unter denen Kunst aus Alltag entsteht, anhand verschiedener sozialer Kontexte und Netzwerke zu untersuchen, indem es das Beziehungsmittel Geld und sein Ermächtigungspotential im Kredit selber zum Kunstprozess erklärt.

Johannes Burr KREDIIT#7 - Kettenfilm mit Patricia Caspari
Was hätte Gallus uns heute zu sagen? // KREDIT #7 // Kettenfilm mit Patricia Caspari // St. Gallen 2012

Der Fokus liegt dabei auf dem Sichtbarmachen von Unsichtbarem, von etwas, das normalerweise durch den immateriellen und abstrakten Charakter von Geld verborgen bleibt: dass nämlich hinter jeder Transaktion eine Kooperation steckt, eine Begegnung, eine Geschichte, ein sozialer Prozess. KREDIT #1-7 hinterfragt die Spielregeln von Geld und verweist damit auf die Tatsache, dass die Definition einer Währung die sozialen Prozesse tief greifend strukturiert.

Jeder Kettenfilm kann nur aus der temporären Beziehung mehrerer Leute heraus entstehen, deren einzelne Anteile am gesamten Arbeitsergebnis sich nachträglich auch nicht mehr genau aufschlüsseln lassen. Das Projekt produziert so real einen wirtschaftlichen Mehrwert (wenn auch immaterieller Natur), fragt zugleich nach den ökonomischen Bedingungen für Kunst und problematisiert den Begriff der singulären Autorenschaft.

KREDIT #1-7 geht auf die Beschäftigung des Künstlers mit alternativen Finanzierungsstrategien für Kunst zurück. Dahinter stehen Texte über komplementäre Geldformen und Währungssysteme wie z.B. von dem ehemaligen belgischen Nationalbanker Bernard Lietaer oder von Wilhelm Schmundt.

Mehr über die Hintergründe des Projekts findet sich hier.

Der Kreditkoffer →

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